Der Fürsorger

Von einem harmlosen ersten Betrug zu einer einzigen, grossen Lebenslüge: Die wahre Geschichte eines Fürsorgers, der aus Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Vermögen zu einem Millionenbetrüger wurde.

Das Buch ist 1994 und 2009 als Reprint im Zytglogge-Verlag erschienen und wurde 2009 durch Lutz Konermann (Fama-Film) als Kino-Spielfilm produziert. Mehr über den Film...

 

Zum Inhalt:

Jahrelang hatte Hans-Peter Streit, der Mann mit den treuherzigen Augen eines Bernhardinerhundes, als Dr. Alder ganz Adelboden genarrt und den Leuten mit Lügen das Geld aus der Tasche gezogen. Er verkaufte Aktien einer fiktiven Chemie Schweiz AG und versprach horrende Gewinne. So kam er zu einem Millionenvermögen, das er grösstenteils verschenkte. In Wirklichkeit war Hans-Peter Streit ein entflohener Häftling. Er hatte zuvor in Lengnau bei Biel als Fürsorger gearbeitet und mit den gleichen Lügengeschichten bereits rund 200 Leute ausgenommen. Schon damals betrug die Deliktsumme mehrere Millionen Franken. Später wirkte er auch noch in Zürich. Immer waren Dumme da, die nach dem schnellen Geld gierten.

Hans-Peter Streit war nicht nur ein Betrüger, er war ein Lebenslügner. So gab er sich als Psychologe aus, predigte als falscher Pfarrer von der Kanzel und las aus einem Buch, das er nie geschrieben hatte. Die Leute glaubten ihm alles. Dadurch erreichte er das, was er lange Zeit entbehrt hatte: Anerkennung und Ansehen. Er wurde bekannt und beliebt - und überstand bis zu seiner Verhaftung die groteskesten Situationen, ohne entlarvt zu werden.

 

Making of:

Ich habe Hans-Peter Streit als Reporter kennengelernt. Damals gewährte er mir für die Schweizer Illustrierte im Gefängnis ein Interview. Nach dem Erscheinen des Artikels gelangte Hans-Peter Streit mit der Idee an mich, seine Geschichte in einem Buch zu erzählen. Dabei wollte er nicht anonym bleiben, sondern sich offen seiner Vergangenheit stellen. „Ich werde nicht mehr lügen und betrügen“, versicherte er mit. „Die Liebe meiner Frau hat mich gerettet.“ Es war jene Frau, die an seiner Seite war, als sein Lügengebilde endgültig zusammenbrach und er ins Gefängnis kam. So haben wir stundenlang im Besuchszimmer des Gefängnisses geredet. Hans-Peter Streit hat seine Geschichte erzählt und ich habe daraus „sein“ Buch geschrieben.

Heute wohnt er mit seiner Familie im Kanton Freiburg und hat eine leitende Position in einem Unternehmen inne.

 

Anmerkungen des Filmregisseurs Lutz Konermann:

"Der Fürsorger" ist die Lebensgeschichte des Hans-Peter Stalder, eines Betrügers, der über Jahre hinweg gutgläubigen Anlegern und liebesbedürftigen Frauen weit mehr verspricht, als er bei nüchterner Betrachtung je hätte einlösen können. Es ist die Lebensgeschichte eines Mannes, der nicht ‚nein’ sagen kann und dem jede Lüge recht ist, wo immer sich ihm Gelegenheit bietet, Aufmerksamkeit, Liebe und Anerkennung zu erheischen – eines Gefallsüchtigen im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine freudlose Kindheit ist Anlass für seine Fehlentwicklung und treibt Stalder dazu, sich Ersatzfamilien zu suchen oder zu gründen. Neben der Heilsarmee, einer ersten überstürzten Ehe und gleichzeitigen Liebschaften sind es bald Bedürftige, denen er sich als Fürsorger zuwendet, eine Gemeinde von Gläubigen, denen er als Priesteranwärter von der Kanzel predigt, Schüler, die er in Lebenskunde unterweist, und nicht zuletzt die Grossfamilie seiner Gläubiger und „Angestellten”, die er im Laufe seiner Hochstaplerkarriere um sich schart.

Liest man zwischen den Zeilen seiner Gefängnisbeichte – die Philipp Probst im Besuchszimmer aufzeichnete –, ist Stalder dabei selber zum grössten Opfer seiner eigenen Gefallsucht geworden – wobei die stete Angst, den Hoffnungen und Projektionen auf ihn und seine Fähigkeiten nicht genügen zu können, zum unaufhaltsamen Motor seiner immer komplexeren Lügenkonstrukte wurde. Bei aller Aberwitzigkeit jedoch bespiegeln die Etappen seines Lebens durch viele übertragbare Motive auch das unsere: In seiner Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, seiner Genugtuung ob dem Aufgehen eines Plans, der „Lust am Fabulieren”, am Verbiegen der Realität – und nicht zuletzt in der Faszination, Grenzen zu überschreiten und Verbotenes zu tun.

So bietet die authentische Geschichte vom Aufstieg und Fall jenes Millionenbetrügers nicht nur eine mit Details gespickte Vorlage für eine Realsatire, sondern zugleich das vielschichtige Psychogramm eines ebenso notorischen wie bedauernswürdigen Schwindlers, eines Clowns und Artisten, eines Finanz- und Gefühlsjongleurs.

Quelle: www.famafilm.ch

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Philipp Probst 2014